Familienbildung heute

Netzwerk für örtliche und regionale Familienpolitik

Fazit: Was muss Familienbildung heute leisten?

Marit Kukat, Netzwerk für örtliche und regionale Familienpolitik, Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung

1. Die aktuellen Anforderungen an die Familienbildung ergeben sich aus

· der demographischen Entwicklung,

· den Belastungen und Veränderungen des Familienlebens,

· der Verknappung der finanziellen Mittel,

· den Veränderungen der Anforderungen an familienbezogene Dienste und

· einem zunehmenden Konkurrenzdruck zwischen den Einrichtungen der Familienbildung.

2. Inhalte der Familienbildung werden in verstärktem Maße auch außerhalb der „traditionellen” Einrichtungen vermittelt.

· Erwachsenenbildung (VHS, KVHS, konfessionelle Einrichtungen, gewerkschaftsorientierte Einrichtungen etc.)

· informelle Familienbildung (Mütterzentren, Familien- und Nachbarschaftszentren, Selbsthilfegruppen)

· weitere Institutionen (Kindertagesstätten, Familienfreizeiten/-erholung, zielgruppen-/themenbezogenen Angebote)

· Informationsmedien (Fernsehreihen, Ratgeber, Elternbriefe etc.)

3. Einrichtungen der Familienbildung müssen sich im Netz der Angebote für Familien klarer positionieren.

Dies erfordert auch eine Abgrenzung zu Aufgaben, die eine Überforderung darstellen (würden). Eine solche Grenze kann kaum allgemeingültig vorgegeben werden, sondern ist in besonderer Weise von den örtlich vorhandenen komplementären Angeboten abhängig.

4. Ziel für die zukünftige Entwicklung der Familienbildung sollte es sein

· alle Familien zu erreichen

- Familien, die zur gegenwärtigen Klientel zählen

- Berücksichtigung von z.B. Familien in Belastungssituationen, Familien mit behinderten Angehörigen, Männer/Väter, Migrantenfamilien, ältere Menschen

· veränderte Anforderungen unter Beibehaltung der bisherigen Aufgaben wahrzunehmen und

· Familienbildungseinrichtungen als ein Zentrum für Familien zu entwickeln.

  • 5. Ansatzpunkte können sein
  • · Niedrigschwelligkeit

    · Von der Komm-Struktur zur Bring-Struktur

    · Neue Inhalte und Formen der Vermittlung

    · Bedarfsgerechte und wohnortnahe Angebote

    · Vernetzung / Kooperation

    - z.B. Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen, Ämter, Kommunalvertreter, Vereine, Verbände, Kirchen, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen,

    - Betriebe und natürlich auch

    - Einrichtungen der Familienbildung

    · Sicherung der Finanzierungsbasis

    7. Der Beschluss der Jugendministerkonferenz vom 22./23. Mai 2003 „Stellenwert der Eltern- und Familienbildung  - Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern“, betont die Bedeutung der Familienbildung und zeigt, dass die Familienbildung Fürsprecher hat. Die Umsetzung bedarf des Engagements aller an Familienbildung Beteiligten.

    · Punkt 9: „Grundverantwortung der Kinder- und Jugendhilfe präzisieren“ betont die Rolle der örtlichen Ebene mit besonderem Hinweis auf die Bildung von Netzwerken sowie der Notwendigkeit von Interessenvertretung und Koordinierung von Familienbildung.

    8. Koordination der Angebote auf kommunaler Ebene

    · In der Recherche „Innovative Ansätze in der Familienbildung“ des „Netzwerks“ wurde u.a. gefragt, ob es in der Stadt/Gemeinde eine übergreifende Planung der Familienbildungsangebote gibt. Als Ergebnis unter 275 Antworten zeigte sich, dass elf Einrichtungen durch eine Mitarbeit in Arbeitsgruppen vertreten sind (in sieben Fällen Arbeitsgruppen nach § 78 KJHG, davon zwei mit Delegierter im Unterausschuss des Jugendhilfeausschusses der Kommune).

    · es ergeben sich Anforderungen zur Weiterentwicklung der Familienbildung

    - sowohl an die Jugendhilfe, Familienbildung als Aufgabe anzuerkennen, als auch

    - an die Anbieter von Familienbildung, sich stärker einzubringen (Mitwirkung im Jugendhilfeausschuss, Bereitschaft sich in Planungen einzubringen).