Rede ML.Beck

 

 

Rede von

Frau Parl. Staatssekretärin

Marieluise Beck

anlässlich

der Fachtagung des Paritätischen Bildungswerks Bundesverband

zum Thema

Familienbildung – ein präventives Angebot

für ALLE Familien

am 27. September 2004

Haus der Parität, Frankfurt am Main

 

Gliederung

  • Einleitung
  • Familienbildung – Partner der Familien
  • Schwerpunkt der Familienbildung – Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz
  • Notwendige Strukturveränderungen und Umsteuerungen in der Familienbildung
  • Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz
  • Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz – Teil einer Gesamtkonzeption der Bundesregierung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Familie

Einleitung

für Ihre Einladung zu Ihrer heutigen Fachtagung bedanke ich mich. Sie stellen die Familienbildung und ihre präventive Rolle bei der Bewältigung des Alltages von Familien in den Mittelpunkt Ihrer Erörterungen.

Das begrüße ich sehr und ich nehme gerne die Gelegenheit wahr, gemeinsam mit Ihnen über den Stellenwert, den Familienbildung heute in unserer Gesellschaft hat, ihre Aufgaben und künftige Herausforderungen nachzudenken.

Familienbildung – Partner der Familien

Die Familienbildung hat sich ihrem Selbstverständnis entsprechend seit jeher als Partner der Familien betrachtet.

Seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als mit der Gründung von Mütterschulen die Familienbildung institutionalisiert wurde, haben sich bis heute die verschiedensten Ansätze der Mütter-, Väter- und Elternbildung zu einer umfassenden ganzheitlichen Familienbildung fortentwickelt.

In dem Maße, wie sich über die Jahre die Herausforderungen für Familien verändert haben, haben sich auch die Aufgaben für die Familienbildung verändert.

Durch ihre vorbeugende, Familien in all ihren Lebensphasen und –situationen begleitende und unterstützende Arbeit hat die Familienbildung in der Vergangenheit stets einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung und Stärkung der Familien geleistet.

Schwerpunkt der Familienbildung – Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz

Die Familienbildung wird auch in Zukunft ein unverzichtbarer Partner der Familien sein. Wenn sie ihrem Auftrag gerecht bleiben will, präventive Unterstützung in der Bewältigung des Alltags von Familien anzubieten, muss sie sich den Herausforderungen, mit denen Familien heute und in Zukunft konfrontiert sind, stellen und öffnen.

 Angesichts sich rasch vollziehender gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen sind diese Herausforderungen beträchtlich.

 Der Wandel der Gesellschaft, die fortschreitende Individualisierung und die damit einhergehende Pluralisierung von Lebensentwürfen hat insbesondere die Rahmenbedingungen für die Erziehung von Kindern nachhaltig verändert.

 Erziehung heute ist noch komplexer geworden.

 Erziehung heute findet statt im Spannungsfeld zwischen Herkunftsfamilie und Miterziehern. Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Peer Groups und Medien treten neben die Eltern und beeinflussen die Entwicklung von Kindern.

 Erziehung heute findet statt im Kontext familialer Veränderungen, wie z.B. Trennung und Scheidung, Entstehung einer neuen Familie.

 Erziehung heute findet statt im Kontext von sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen, die gekennzeichnet sind durch hohe Mobilitätsanforderungen, technologischen Wandel und einem angespannten Arbeitsmarkt.

Erziehung war schon immer eine Aufgabe, die Eltern ein erhebliches Maß an Geduld, Ausdauer, Konsequenz und psychischer Anstrengungen abverlangte.

 Kinder zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu erziehen, verlangt von Eltern nicht nur Kenntnisse in Entwicklungs- und Erziehungsfragen, sondern vor allem auch die Kompetenz, diese an ihre Kinder in geeigneter Weise weiterzugeben.

 Es verlangt von Eltern auch die Kompetenz, neben Betreuung und Erziehung kindliche Bildung zu fördern. Erziehung und Bildung gehören zusammen.

 Der erste und dominanteste Bildungsort für Kinder ist die Familie. Grundlegende Fähigkeiten für Bildungsprozess werden hier erworben. Die Familie bietet die Möglichkeit zum Lernen außerhalb formalisierter Bildungsinstitutionen und Lernveranstaltungen.

 Mit zunehmendem Alter wird der Bildungsort Familie durch andere außerfamiliale Bildungsorte – Tagespflege, institutionelle Kindertagesbetreuung, Schule – ergänzt, die den Kindern einen erweiterten Erfahrungsraum und damit neue Lernwelten eröffnen. Nichtsdestotrotz ist es die Verantwortung der Eltern, Betreuungs- und Bildungsorte auszuwählen und Kinder durch die verschiedenen Institutionen zu begleiten.

 Bildung ist eine der entscheidenden Voraussetzungen in unserer Leistungs- und Wissensgesellschaft. Und eine bessere Bildung und Ausbildung ist notwendig für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, denn unsere humanes Potential ist unser wichtigstes gesellschaftlichen Kapital.

 Kein Zweifel:

 Erziehung im Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit, einerseits die berufliche Existenzsicherung der Familie zu gewährleisten und andererseits den Kindern ein Maximum an sozialen Kompetenzen und ein Höchstmaß an Wissen und Bildung zu vermitteln, stellt Eltern vor große Herausforderungen.

 Viele Eltern stoßen dabei an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Viele sind verunsichert, ihnen fehlt es selbst an Orientierung, an Leitbildern und Zielen, an Wissen und auch an eigner Bildung, die sie ihren Kindern weitervermitteln können.

 

 Eltern brauchen deshalb Begleitung, Unterstützung und Hilfe, nicht zuletzt auch in Wert- und Orientierungsfragen. Dies ist eine Aufgabe, die alle gesellschaftlichen Kräfte in die Pflicht nimmt.

 

 Es geht nicht darum, Eltern bestimmte Erziehungsziele oder Erziehungsstile vorzugeben, sondern sie in die Lage zu versetzen, ihrer Erziehungsverantwortung gerecht zu werden. Dazu bedürfen sie vor allem der Vermittlung von fundiertem wissenschaftlich geprüftem Wissen über kindliche Entwicklungsprozesse und über Problemphasen in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

 Die Familienbildung ist in besonderem Maße aufgefordert, einen Beitrag zur Unterstützung Eltern zu leisten.

 Die Jugendministerkonferenz hat hierzu eine richtungsweisende Handlungsempfehlung gegeben.

In ihrem einstimmigen Beschluss vom 22./23. Mai 2003 in Ludwigsburg hat sie die elementare Bedeutung der Familie für „das gelingende Aufwachsen junger Menschen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten“ hervorgehoben und in Bezug auf den Stellenwert der Familienbildung die Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern in den Vordergrund gestellt.

 Danach soll das Anliegen, „die Erziehungskraft der Familien zu stärken“ mit allem Nachdruck verfolgt und „ein breitenwirksames Angebot an Eltern- und Familienbildung entwickelt werden, das sich grundsätzlich an alle richtet und möglichst viele erreicht“.

 Diesen Beschluss begrüße ich sehr, denn er liegt auf der Linie der familienpolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung.

Notwendige Strukturveränderungen und Umsteuerungen in der Familienbildung

Was bedeutet dies für die Familienbildung?

 Der Titel meines heutigen Beitrages „Familienbildung, ein präventives Angebot für Alle Familien“ ist Programm und Handlungskonzept zugleich und macht deutlich, wie künftige Familienbildungsarbeit aussehen sollte und wo Umdenken und Umsteuern notwendig ist.

Familienbildung zur Stärkung der elterlichen Erziehungsverantwortung muss präventiv sein, das heißt, sie muss frühzeitig ansetzen. Wir brauchen eine frühkindliche Förderung bereits in den ersten Jahren, denn hier werden die entscheidenden Weichen für die weitere Entwicklung von Kindern gelegt. Auf den Anfang kommt es an.

Die Angebote der Familienbildung müssen alle Familien erreichen. Das heißt, die Familienbildung darf sich nicht vorwiegend auf solche Familien konzentrieren, die gemeinhin als „bildungsnah“ bezeichnet werden und die ohnehin zur „klassischen“ Klientel der Bildungseinrichtungen gehören. Wie durch den 10. Kinder- und Jugendbericht sehr deutlich wurde, muss sie vielmehr auch und vor allem die Familien in den Blick nehmen, die von der Familienbildung nur schwer oder kaum erreicht werden.

Nicht erst seit PISA wissen wir um die gewaltige Schieflage bei Bildungserfolgen. Wir können nicht zulassen, dass die Herkunft eines Menschen ein entscheidender Faktor für seine Aus- und Fortbildung bleibt.

 Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz mit Blick auf frühkindliche Förderung und Fokussierung auf unterstützungsbedürftige Familien und Kinder, das ist ein Gebot der Chancengerechtigkeit und fördert die Integration.

Die Angebote der Familienbildung müssen auf den spezifischen Bedarf der anzusprechenden Zielgruppen ausgerichtet sein. Dieser Bedarf muss jeweils regional von den Bildungseinrichtungen vor Ort mit Blick auf die lokalen Gegebenheiten ermittelt werden.

Die Familienbildung muss neue Strukturen entwickeln und neue Wege gehen, um alle Familien zu erreichen und ihnen einen niederschwelligen Zugang zu den Angeboten zu ermöglichen.

Das heißt, sie darf nicht warten bis die Menschen in die Familienbildungs-einrichtungen kommen, sondern muss ihre Angebote dorthin bringen, wo Familien sind. Das bekannte Schlagwort lautet: „Weg von der Komm- hin zur Geh-(oder Bring-) Struktur.

Die Familienbildung muss zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz vernetzt und kooperativ mit allen Erziehungsinstanzen, Kindergärten, Horte, Schulen, mit den sozialen Diensten und der Arbeitswelt bei der Wissens- und Informationsvermittlung an Eltern zusammenwirken.

Und schließlich braucht die Familienbildung ein effizientes System der Qualitätsentwicklung und –sicherung, um Eltern fundiertes wissenschaftlich geprüftes Wissen über den kindlichen Entwicklungsprozesse zur Verfügung zu stellen.

Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz

Die Stärkung der elterlichen Erziehungsverantwortung ein wichtiges familienpolitisches Anliegen der Bundesregierung.

Die Familienbildung ist dabei ein wichtiger Pfeiler der familienpolitischen Maßnahmen zur Unterstützung von Familien und Kindern.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, fördert die Familienbildung durch jährliche, beträchtliche Zuwendungen an die bundesweiten Träger, durch Finanzierung zahlreicher überregionaler Fortbildungsmaßnahmen für Multiplikatoren und z.B. Fachtagungen wie die heutige.

Durch die Finanzierung von Modellprojekten und wissenschaftlichen Untersuchungen werden neue Impulse und Akzente gesetzt, die der Arbeit der Familienbildung vor Ort zugute kommen.

 Zur Stärkung der elterlichen Erziehungsverantwortung werden darüber hinaus Maßnahmen durchgeführt, die Eltern unmittelbar ansprechen.

 Einige Beispiele:

  • Ein wichtiges Signal für ein neues Erziehungsleitbild ist die im Jahre 2000 erfolgte Änderung des § 1631 Abs. 2 im Bürgerlichen Gesetzbuch, in der nunmehr ausdrücklich das Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung festgeschrieben wird. Zugleich wird durch eine Änderung des § 16 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) der Jugendhilfe per Gesetz auferlegt, Eltern in ihren Erziehungsaufgaben zu unterstützen und „Wege aufzuzeigen, wie Konfliktsituationen in der Familie gewaltfrei gelöst werden können“. Diese Ergänzung des KJHG 16 bedeutet eine besondere Stärkung aber auch eine Herausforderung für die Familienbildung.
  • Ich erwähne in diesem Kontext auch die bundesweite Kampagne des Bundesfamilienministeriums „Mehr Respekt vor Kindern“, die die Familienbildungsträger maßgeblich unterstützt haben. Um das Engagement für eine gewaltfreie Erziehung weiter zu stärken und Bilanz nach fünf Jahren Gesetz zur „Ächtung von Gewalt in der Erziehung“ zu ziehen, werden wir im nächsten Jahr eine internationale Fachtagung durchführen, um die zentrale Bedeutung des Thema zu unterstreichen.
  • Um Transparenz in das Gesamtangebot der Eltern- und Familienbildung und ihrer Möglichkeiten zu bringen, qualifizierte Aussagen zu treffen und abgesicherte Hilfen anbieten zu können, haben wir die Universität Erlangen, Herrn Professor Lösel beauftragt, eine Bestandsaufnahme von einschlägigen Programmen von Elternkursen vorzunehmen und Wirksamkeitsstudien auch unter Einbeziehung internationaler Forschungsergebnisse zu erstellen. Ziel ist die Qualitätssicherung im Elternbildungsbereich.
  • Das Bundesfamilienministerium trägt dazu bei, dass Eltern in Fragen der Erziehung fundierte Informationen und Unterstützung erhalten.
  • Wir fördern das Online-Familienhandbuch, das vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München erarbeitet wird. Inzwischen können Eltern und Multiplikatoren knapp 1.400 Beiträge aufrufen, die Fragen zu Erziehung, Partnerschaft und Familienleben aufgreifen.
  • Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Neue Erziehung gibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit Jahren Elternbriefe heraus, die Eltern mit Informationen und Ratschlägen von der Geburt des Kindes bis zum 8. Lebensjahr begleiten und Antworten auf die für die jeweiligen Entwicklungsschritte typischen Fragen geben.
  • Speziell für Migranten haben wir zweisprachige türkisch-deutsche Elternbriefe erarbeiten lassen, deren Ziel es ist, türkische Eltern in Deutschland mit den Erziehungsvorstellungen in ihrer neuen Heimat vertraut zu machen, ihnen Verhaltensalternativen aufzuzeigen und die Ressourcen zu aktivieren, die in einem Leben in zwei Kulturen liegen.Über 700.000 türkisch-deutsche Elternbriefe wurden inzwischen bundesweit verteilt.
  • Neben den inhaltlichen Akzenten zur Qualifizierung der Elternbildungsangebote haben andere Modellprojekte unsere Hauses strukturelle Verbesserungen zum Ziel.
  • Im Modellprojekt „Strukturkonzept Familienbildung in Bremen“ wird eine veränderte Angebotsstruktur in der Eltern- und Familienbildung und –förderung der Hansestadt erprobt. Dazu wurde eine zentrale Koordinierungsstelle eingerichtet, die als Informations-, Kontakt- und Anlaufstelle sämtliche Angebote und Leistungen auf dem Gebiet der Eltern- und Familienbildung bereithält und im Bedarfsfall an Interessierte weiterleitet oder vermittelt. Dabei wird besonders Augenmerk auf sozial- und bildungsbenachteiligte Eltern gelegt. Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung, mit der die Universität Bremen beauftragt wurde, ist die Überprüfung der Effizienz und bundesweiten Übertragbarkeit des Projekts. Ergebnisse werden im Frühsommer nächsten Jahres vorliegen.
  • Wesentliches Anliegen des Bremer Projekts ist es, Strukturveränderungen von der Komm- zur Geh-Struktur zu fördern, alle Erziehungsinstanzen, Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen und Jugendhilfe und Familienbildung miteinander zu vernetzen, um die Vielzahl vorhandener Angebote und Hilfeleistungen aufeinander abzustimmen.

  • Das Nebeneinander verschiedener Hilfsangebote reicht nicht mehr aus. Insbesondere Problemfamilien werden dadurch nicht erreicht. Vielmehr bedarf es neuer, integrierter, an den lokalen Bedürfnissen orientierter Angebote und Bündnisse.
  • Genau hier setzt ein weiteres Konzept „Haus des Kindes“ an. Kernpunkte dieses Konzeptes, auf das im weiteren Verlauf dieser Tagung näher eingegangen wird, sind – in Anlehnung an die englischen „Early Excellence Centres“, frühe Förderung, Vernetzung, Koordination unterschiedlicher Angebote und Einbettung in lokale Strukturen.
  • Gefordert sind Einrichtungen, die „aus einer Hand“ unterschiedliche Dienste unter ihrem Dach anbieten oder – zum Teil – vermitteln. Auch bei diesem Projekt geht es darum, vorhandene Angebote zu bündeln und damit für Familien niedrigschwellig erreichbar zu machen.
  • Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hatte das Deutsche Jugendinstitut beauftragt zu recherchieren, welche Einrichtungen es in Deutschland bereits gibt, die mit ähnlichen Konzepten arbeiten. Über 120 solcher Einrichtungen wurden ausfindig gemacht. Die interessante Recherche wird in Kürze auf unserer Internetseite veröffentlicht werden.
  • Ich hoffe, dass wir im Rahmen eines weiteren geplanten Modellprojekts zum einen eine größere Anzahl von Standorten, an denen es „Häuser des Kindes“ gibt, zu einem Netzwerk zusammenführen können. Zum anderen wollen wir einen Leitfaden entwickeln, wie künftig Häuser für Kinder vor Ort aufgebaut werden können.
  • Die Erfahrungen aus dem aufzubauenden Netzwerk wollen wir breit streuen. Damit wollen wir ein Signal aussenden. Dass nämlich die Zukunft der Kinderbetreuung in einer stärkeren Integration familienbezogener Hilfen liegt.
  • Das Signal an die Erzieherinnen und Erzieher ist, sich viel stärker als bisher den Bedürfnissen der Familien und Eltern zu öffnen. Genau dies ist der Schlüssel für ein neues Verständnis zur Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern und der Unterstützung von Familien.
  • Schließlich möchte ich noch auf ein Modellprojekt kurz hinweisen, das von uns gefördert wurde und ebenfalls innovative Wege in der Familienbildung und Förderung von Kindern geht. Es nennt sich „Opstapje“. Auch mit diesem Projekt werden Sie sich im Anschluss noch beschäftigen.
  • Opstapje ist holländisch und heißt „Schritt für Schritt“. Es handelt sich um ein in den Niederlanden entwickeltes Spiel- und Lernprogramm, das sich an sozial benachteiligte Familien mit Kindern im Alter zwischen zwei und vier Jahren richtet.
  • Das Besondere am Ansatz von „Opstapje“ ist, dass es auf geschulte Laienmitarbeiterinnen setzt. Frauen aus der Nachbarschaft suchen sog. bildungsferne Familien auf, um die Mütter zum entwicklungsfördernden Spielen und Vorlesen anzuleiten.
  • Die Projektergebnisse sind sehr erfreulich. Die geförderten Kinder holen in der Regel ihre Entwicklungsrückstände auf. Die Mütter werden in ihrer Erziehungskompetenz maßgeblich gestärkt und können ihr Kind bzw. ihre Kinder nunmehr selbständig fördern.

Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz -

Teil einer Gesamtstrategie der Bundesregierung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Familien

 Die Stärkung der elterlichen Erziehungsverantwortung steht nicht für sich allein. Sie ist vielmehr Teil einer Gesamtstrategie im Sinne einer nachhaltigen Familienpolitik.

 Wir möchten, dass Deutschland von einem kinderentwöhnten wieder zu einem kinderfreundlichen Land wird.

Die Bundesregierung hat zu diesem Zweck einen Nationalen Aktionsplan „Für ein kindergerechtes Deutschland“ aufgelegt, der bis 2010 der Leitfaden sein wird, an dem sich kinderpolitisches Handeln orientiert. Dieser Nationale Aktionsplan sieht unter anderem eine gemeinsam von Bund und Ländern in Angriff zu nehmende Reform des Bildungssystems zur Herstellung von Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendliche vor sowie Maßnahmen zur Stärkung der Bildungs- und Erziehungskompetenz von Eltern.

 In dem Bemühen um Kinder- und Familienfreundlichkeit ist die Partnerschaft auch der Familienbildung. Es geht uns um bessere Infrastrukturen für Familien. Dazu wollen wir die Kinderbetreuung ausbauen und setzen dabei auf differenzierte Angebote für Kinder aller Altersgruppen: in guter Qualität, zeitlich flexibel, bezahlbar und vielfältig. Vielfalt bedeutet sowohl Ganztagsschulen und Horte, als auch Ganztagskindergärten und Kleinkindbetreuung, in Krippen oder durch Tagesmütter.

 Mit vier Milliarden Euro fördern wir bis zum Jahr 2007 den Ausbau von Ganztagsschulen, und ab 2005 werden den Kommunen jährlich 1,5 Milliarden Euro aus der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zugute kommen für einen bedarfsgerechten Ausbau der Tagesbetreuung insbesondere für Kinder im Alter unter drei Jahren.

 Der Ausbau der Kinderbetreuung soll ab 2005 schrittweise bis 2010 erreicht werden. Wir haben die gesetzliche Regelung im Kinder- und Jugendhilfegesetz auf den Weg gebracht, die sicherstellt, dass bis 2010 ein bedarfsgerechtes Angebot erreicht wird. Diese Gesetzesänderung ist am 9. September diesen Jahres in erster Lesung im Deutschen Bundestag beraten worden und soll zum 01.01.2005 in Kraft treten.

Teil der Strategie zur Schaffung kinder- und familienfreundlicher Rahmenbedingungen sind schließlich auch die von der Bundesfamilienministerin ins Leben gerufenen „Allianzen für Familien“ und die „Lokalen Bündnisse“.

Schluss

Die Weichen für mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit sind gestellt. Jetzt geht es darum, diese Zielvorstellung mit Leben zu erfüllen. Eltern müssen wissen, welche Erziehungsarbeit von ihnen erwartet wird, aber sie müssen auch bestärkt, begleitet und beteiligt werden, diese zu erbringen. Deshalb brauchen sie qualifizierte Unterstützung zur Erziehung. Diese Unterstützung finden sie in den Einrichtungen der Familienbildung.

Ich bin mir sicher, dass wir auch künftig mit Ihrem Sachverstand und Engagement rechnen können und in Ihnen einen verlässlichen und engagierten Partner haben werden.

  • (Dies ist das Manuskript des Beitrags. Es gilt das gesprochene Wort.)
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